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Ein Jahr Lehrgang für Erwachsenenbildung – ein Zwischenbericht

11.02.2026, 11:00

Vor knapp einem Jahr haben sich 17 Interessierte gemeinsam aufgemacht und sich in einen Lehrgang eingeschrieben: Den Lehrgang für Erwachsenenbildung, den das Amt für Weiterbildung und Sprachen in Zusammenarbeit mit der Universität Klagenfurt und dem Tiroler Bildungsinstitut Grillhof ausgearbeitet hat.

(Foto: Amt für Weiterbildung und Sprachen)
(Foto: Amt für Weiterbildung und Sprachen)

Die Entscheidung zur Teilnahme ist mir nicht leichtgefallen – ein Lehrgang über fast zwei Jahre mit 31 Tagen Seminarblöcken, zusätzlichen Studienzirkeln und 200 Stunden Praxisarbeit ist neben Beruf, Familien- und Privatleben eine Herausforderung. Nachdem ein Lehrgang dieses Formats aber nicht laufend angeboten wird, hat mich diese zusätzliche Professionalisierung in dem Berufsfeld, in dem ich arbeite und mich bewege, gereizt. Heute zur Halbzeit kann ich sagen: eine gute Entscheidung.

Wir haben in diesen Monaten unter Anleitung von Professorin Elke Gruber zu Lernbiografien gearbeitet, Theorien der Erwachsenenbildung kennengelernt, die Feinheiten von Methodik und Didaktik kennengelernt, Drehbücher für Veranstaltungsplanungen geschrieben, uns zu verschiedenen Themen kollegial beraten. Wir arbeiteten mit Michael Wehner von der Landeszentrale Politische Bildung Baden-Württemberg zu kreativen und partizipativen Methoden, zu Kurskonzepten und Lernsequenzen, vertieften die Themen Bildungsbenachteiligung und Zielgruppenorientierung und probierten uns im Forum Theater aus. Monika Wohlmut ließ uns anschaulich die Dynamik in Gruppenprozessen erleben, reflektieren – und forderte uns mit Feedback-Übungen heraus. Wir analysierten mit Maria Sparber die verschiedenen Rollen, die die Erwachsenenbildung bereithält: Moderator:innen, Trainer:innen, Bildungsmanager:innen, Bildungsberater:innen, Facilitator:innen ecc.

Ich habe in diesem Jahr offene, herzliche und interessante Menschen kennengelernt, die mit mir den Lehrgang besuchen und aus unterschiedlichsten Orten und beruflichen Bereichen kommen. Sie alle bereichern den Lehrgang mit ihrer Persönlichkeit, mit ihrem Wissen und mit ihrem Einsatz. In den Studiengruppen unter der Leitung von Katharina Erlacher, Wolfgang Sparer und Markus Breitenberger konnten wir uns weiter ausprobieren, Ideen entwickeln, Rahmenprogramme planen und durchführen.

So hat sich der Lehrgang unter der Leitung von Hans Karl Peterlini, Martin Peer, Franz Jennewein und Anika Michelon als spannende Reise herausgestellt, auf der ich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich arbeiten und wachsen durfte. Denn in der Bildung und Erwachsenenbildung geht es nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern auch darum, Lern- und Begegnungsräume zu schaffen, in denen Menschen ihre Lebenswelt reflektieren, ihre Erfahrungen einordnen und gemeinsam gesellschaftliche Orientierung entwickeln – und das wohl bei jedem Lerninhalt, wenn wir wirklich wollen, dass das Gelernte wachsen soll/kann. Der amerikanische Psychologe Carl Rogers erinnert daran, dass echte Bildung Veränderungsbereitschaft und Selbstreflexion voraussetzt. Ein Gedanke, der den Kern vor allem politischer und gesellschaftlicher Bildung trifft – und der auch gut jene Reise zutrifft, auf die ich mich gemeinsam mit meinen Studienkollegen und Kolleginnen aufgemacht habe.

Astrid Crepaz