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Bau und Einrichtung

Öffentliche Bibliothek Terlan – Foto: © Manuela Tessaro
Öffentliche Bibliothek Terlan – Foto: © Manuela Tessaro

Bibliotheken etablieren sich neben dem Zuhause (Erster Ort) und der Arbeitswelt/der Ausbildungsstätte (Zweiter Ort) als sog. Dritter Ort. Menschen können sich hier treffen, austauschen, gemeinsam lernen, die verschiedenen Medien-, Bildungs- und Beratungsangebote nutzen oder einfach ihre Freizeit verbringen.
In Südtirol gibt es in nahezu allen Gemeinden Bibliotheken, die in der Regel gut ausgestattet sind und sich attraktiv präsentieren. Das Land Südtirol unterstützt die Errichtung zeitgemäßer Bibliotheken, sodass in den letzten Jahren zahlreiche Bibliotheken gebaut, erweitert oder neu eingerichtet werden konnten.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Den rechtlichen Rahmen für die Errichtung von Bibliotheken bilden in erster Linie das Südtiroler Bibliotheksgesetz und die entsprechende Durchführungsverordnung. Für Schulbibliotheken gelten die Schulbaurichtlinien.
Die Errichtung von Bibliotheken wird finanziell von Seiten des Landes gefördert. Es gelten die mit Beschluss der Landesregierung Nr. 1322 vom 9. September 2013 genehmigten Förderkriterien. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Seite „Investitionen“.

Die Rolle des Amtes im Planungsprozess

Das Amt für Bibliotheken und Lesen als Fachstelle für die Südtiroler Bibliotheken ist wichtiger Partner im Planungsprozess.
Es geht darum, den Verantwortlichen vor Ort Ideen und Visionen einer zeitgemäßen Bibliothek nahe zu bringen und gemeinsam ein Konzept für die zukünftige Bibliothek zu entwickeln. Das Amt übernimmt häufig eine vermittelnde Rolle im Zusammenspiel zwischen Bauherren (Träger der Bibliothek), Nutzerinnen und Nutzern (Bibliotheksteam) und Planerinnen und Planern (Architektinnen bzw. Architekten).

Weitere Informationen

Damit die Bibliothek zu einem attraktiven öffentlichen Ort werden kann, müssen geeignete Räumlichkeiten bereitgestellt werden. Dabei spielen das Gebäude und seine bauliche Struktur, die zur Verfügung stehende Fläche, die Einrichtung sowie die technische Ausstattung eine zentrale Rolle.

Ausgehend von einem Zielbestand, der je nach Nutzung mindestens zwei und höchstens drei Medieneinheiten pro Einwohnerin und Einwohner des Einzugsgebietes beträgt, wird der Berechnung der erforderlichen Nutzfläche ein Erfahrungswert von 30 Quadratmetern pro 1.000 Medieneinheiten zugrunde gelegt.

Im Planungsprozess sind eine ganze Reihe von Aspekten zu berücksichtigen. Grundlage für alle Planungsschritte ist das für das jeweilige Vorhaben erstellte Raumprogramm, wo alle Anforderungen festgehalten sind.

Die von der Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland herausgegebene und 2024 aktualisierte Handreichung zu Bau und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken gibt einen Überblick über alle wichtigen Fragen im Zusammenhang mit dem Bau, der Einrichtung und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken.

Bibliothekseinrichtung ist mehr als nur ein Mittel zur Aufbewahrung von Medien. Die Bibliothek als Treffpunkt verlangt nach Räumen, in denen sich die Besucherinnen und Besucher wohlfühlen und gerne aufhalten. Ein ansprechender Raumeindruck wird durch die Farben, Materialien und Formen beim Mobiliar, eine angenehme Beleuchtung, eine gute Raumakustik, einen adäquaten Bodenbelag sowie eine abwechslungsreiche und stimmige Dekoration erreicht. Lesebereiche mit Sofas und/oder bequemen Sesseln sowie eventuell einem Kaffeeautomaten machen die Bibliothek zum attraktiven Wohnzimmer in einer Gemeinde. Ruhezonen mit Arbeitsplätzen ermöglichen das Lernen in der Bibliothek. Von zentraler Bedeutung ist es, dass die Einrichtung sich an den Bedürfnissen und Vorstellungen der Zielgruppe orientiert.

Im Bereich des Mobiliars gibt es eine Vielzahl von funktional ausgereiften und ausbaufähigen Serienmöbeln. Möbel auf Maß hingegen werden von Tischlereibetrieben angefertigt. Sie bieten die Möglichkeit, auf besondere Anforderungen zu reagieren oder der Bibliothek durch Highlights einen besonderen Anstrich zu verschaffen. In verschiedenen Bereichen (z. B. Kinder, Sitzmöbel) bietet es sich an, nicht nur auf Bibliotheksausstattungen zurückzugreifen, sondern sich auch bei Spezialfirmen beispielsweise für Schule und Kindergarten umzuschauen. In Südtirol gibt es eine ganze Reihe von Einrichtungsfirmen, die Bibliotheksmöbel anbieten.

Beleuchtung

Die Beleuchtung spielt für die Nutzungs- und Aufenthaltsqualität der Bibliotheksräumlichkeiten eine zentrale Rolle. Tagsüber sollten möglichst alle Bereiche ausreichend mit Tageslicht versorgt werden. Ergänzend dazu ist eine von der Einrichtung unabhängige allgemeine Grundbeleuchtung vorzusehen, die in bestimmten Bereichen durch Schreibtischlampen, Stehlampen, Spots usw. ergänzt werden kann. In Bereichen, wo gelesen oder gearbeitet wird, ist eine Beleuchtungsstärke von mind. 500 Lux vorzusehen. Ein zu starker Sonneneinfall ist durch einen adäquaten Sonnenschutz zu vermeiden.

Ein Leit- und Orientierungssystem soll klar verständlich den Weg zur Bibliothek weisen.

Ein Leitsystem führt von weit vor dem Haus nach innen zu immer tieferen Informationsebenen. Es geht bei der Straßenbeschilderung oder einem Ortsleitsystem los, beinhaltet eine Beschilderung oder Beschriftung außen am Gebäude und reicht bis hin zu einer detaillierten Fachbodenbeschriftung am Regal.

Ein Leitsystem ist abhängig von der Architektur eines Hauses und wird oft gemeinsam mit dem Corporate Identity der Bibliothek/des Hauses in Zusammenarbeit mit Grafikerinnen und Grafikern entwickelt. Verfügt die Bibliothek bereits über ein ansprechendes CI, so soll man das aufgreifen.

Weitere Informationen zum Thema Leitsystem:

Die technische Ausstattung von Bibliotheken gewinnt zunehmend an Bedeutung. EDV, Internet über LAN oder WLAN, mobile Geräte wie Laptop, Tablet-PC und Smartphone, Selbstverbuchung und Diebstahlsicherung auf der Grundlage von RFID, E-Books, Technik für Veranstaltungen usw. eröffnen zahlreiche neue Möglichkeiten für das Angebot und die Verwaltung der Bibliothek.

Aber Achtung!!! Technik braucht Strom und Netz. Die Anschlüsse sind bereits in einer frühen Planungsphase zu definieren. Eine gute Ausstattung und Flexibilität in diesem Bereich sind vor dem Hintergrund einer rasant fortschreitenden technischen Entwicklung unabdingbar.

Als Hilfestellung für die Planung dient die Checkliste zur technischen Ausstattung einer Bibliothek.

Bibliotheken haben sich zu attraktiven Treffpunkten mit einer hohen Aufenthaltsqualität entwickelt. Neben der Ausleihe von Büchern und Medien gibt es eine Vielzahl weiterer, intensiv genutzter Angebote und Dienste

Die Leistung einer Bibliothek ist also weit mehr als die Anzahl der erzielten Entlehnungen. So kommen beispielsweise Menschen in die Bibliothek, um die Tageszeitung oder eine Zeitschrift zu lesen, um eine Auskunft zu erhalten, um Informationen zu suchen und zu kopieren/drucken, um Veranstaltungen zu besuchen, um ihren Kindern vorzulesen oder mit ihnen zu spielen oder einfach, um dort ihre Zeit zu verbringen und anderen zu begegnen.

Um diesen immer stärker werdenden Aspekt der Bibliotheksarbeit sichtbar zu machen, ist es wichtig, nicht nur die Entlehnungen zu erfassen, sondern darüber hinaus auch die Anzahl der Besucherinnen und Besucher zu zählen. Damit kann Bibliotheksarbeit auch mit anderen Einrichtungen (z. B. Museen, Kinos, Schwimmbad) verglichen werden. Und Bibliotheken schneiden hier wahrlich gut ab!

Für kleine Bibliotheken ist nach wie vor eine Zählung per Strichliste möglich, in größeren Bibliotheken werden Besucherzählgeräte installiert. Es gibt kostengünstigere Besucherzählgeräte in Form einer einfachen Lichtschranke. Etwas teurer und nur für größere Bibliotheken interessant sind jene Besucherzählgeräte, die eine statistische Auswertung nach Monaten, Tagen und Tageszeiten erlauben.

RFID (radio frequency identification) wird in Bibliotheken für die Selbstverbuchung der Medien durch die Besucherinnen und Besucher und für die Diebstahlsicherung eingesetzt. In einigen Südtiroler Bibliotheken wurde RFID auch eingeführt, um das Personal von Routinetätigkeiten zu entlasten. Umfangreiche Informationen zu RFID gibt es auf dem Bibliotheksportal.

RFID ist auch die Voraussetzung für eine sogenannte Open Library, bei der Besucherinnen und Besuchern bzw. ausgewählten Besuchergruppen mit dem Leseausweis der Zugang zur Bibliothek auch außerhalb der Öffnungszeiten ermöglicht wird. In Südtirol gibt es zwei Open Libraries. Die Bibliothek OTTO in Terlan und die Stadtbibliothek Bruneck können von Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahre auch außerhalb der personalbesetzten Öffnungszeiten genutzt werden. OTTO in Terlan ist täglich von 8 bis 20 Uhr, die Stadtbibliothek Bruneck täglich von 8 bis 22 Uhr zugänglich.

Einen guten Einblick ins Thema Offene Bibliothek gibt der Vortrag von Carolin Rohrßen „Mehr Flexibilität und längere Öffnungszeiten für den Kunden“.

Der Vortrag „Open Library – Mehr Bibliothek für alle“ bei den ekz Inspirationen 2021 sei für alle empfohlen, die sich etwas näher mit den technischen Komponenten beschäftigen möchten.

Über ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit der Einführung der Open Library in Terlan berichteten der ehemalige Bürgermeister Klaus Runer und Bibliotheksleiterin Renate Mair im Rahmen der Fortbildung „Open Library“ am 23.09.2021.

Wer kennt das nicht? Die Frist für entliehene Bücher und Medien ist abgelaufen und eine Verlängerung nicht mehr möglich. Unliebsame Mahngebühren drohen. Oder man ist gerade auf dem Weg ins Ortszentrum und hat einen Stapel Bücher und Medien daheim, der nur noch darauf wartet, zurückgebracht zu werden, aber die Bibliothek ist gerade geschlossen. Eine in solchen Fällen sehr praktische und bereits von einer Vielzahl von Bibliotheken angebotene Rückgabemöglichkeit außerhalb der Öffnungszeiten erfreut sich bei den Bibliothekskundinnen und -kunden größter Beliebtheit.

Hier gibt es Infos und Beispiele für verschiedene Rückgabemöglichkeiten außerhalb der Öffnungszeiten.

Im Jahr 2025 wurden neue Bibliotheken in Kiens und Tscherms eröffnet.

Für nähere Informationen die einzelnen Ortschaften anklicken.

Grundlagen

Einen umfassenden Überblick zu allen wichtigen Themen eines Bibliotheksbauvorhabens bietet die Handreichung zu Bau und Ausstattung Öffentlicher Bibliotheken der Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

Auf dem Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) sind die Planungsgrundlagen für den Bau von Bibliotheken aufgelistet, die zum Teil auch elektronisch verfügbar sind.

Die Publikation Bibliotheken bauen und ausstatten informiert in 29 Beiträgen über die Grundsätze, Theorien und Normen des Bibliotheksbaus, den Planungsprozess, den Bauprozess als Managementaufgabe, Fragen der Bibliothekstechnik sowie der Innenarchitektur und Ausgestaltung, schließlich die speziellen Anforderungen beim Bibliotheksbau für besondere Nutzer (Kinder, Jugendliche, Barrierefreiheit). Ergänzt werden die Beiträge durch eine umfangreiche Auswahlbibliographie.

Fachstellen

Fortbildung

Literatur

Literatur zum Thema Bau und Einrichtung von Bibliotheken gibt es auch in unserer Fachbibliothek.

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