Tag der Weiterbildung: Qualität sichern und sichtbar machen
Was zeichnet gute Weiterbildung aus? Und wie lässt sich ihre Qualität sichern und sichtbar machen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 80 Teilnehmende beim Tag der Weiterbildung am Dienstag, 6. Oktober.
„Eine offene, demokratische Gesellschaft lebt von den Möglichkeiten, die sie ihren Bürgerinnen und Bürgern bietet“, betonte Manuela Defant, Direktorin der Abteilung Deutsche Kultur und des Ressorts von Landesrat Philip Achammer, bei der Begrüßung. „Noch nie gab es so viele Weiterbildungsangebote und Lernmöglichkeiten wie heute. Doch wo die Auswahl groß ist, wachsen auch das Bedürfnis nach Orientierung und die Verantwortung der Anbieter. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass Bildungsangebote halten, was sie versprechen.“ Qualitätskontrollen und Qualitätszertifikate könnten dabei hilfreiche Instrumente sein.
„Wir starten nicht bei null“, betonte Anika Michelon, Direktorin des Amtes für Weiterbildung und Sprachen. Bereits in den 1990er-Jahren habe die Südtiroler Weiterbildung eine Qualitätsoffensive gestartet. Ein Großteil der Weiterbildungseinrichtungen verfüge heute über anerkannte Qualitätszertifikate wie EFQM oder ISO. „Wir möchten aber nicht stehen bleiben, sondern prüfen, was wir noch verbessern können“, so Michelon.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Tages der Weiterbildung standen daher die Qualität in der Erwachsenenbildung und der Vergleich verschiedener Zertifizierungsmodelle. Rund 80 Teilnehmende aus unterschiedlichen Bereichen der Weiter- und Erwachsenenbildung folgten der Einladung. Am Vormittag erhielten sie Einblicke in die Qualitätsmodelle Österreichs und der Schweiz.
Elke Gruber, langjährige Professorin für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an den Universitäten Klagenfurt und Graz, hat das österreichische Qualitätsmodell Ö-Cert maßgeblich mitentwickelt und aufgebaut. „Ziel war es, einen österreichweit anerkannten Qualitätsrahmen zu schaffen und damit zu verhindern, dass sich Erwachsenenbildungseinrichtungen teilweise mehrfach zertifizieren lassen mussten“, erläuterte Gruber. Ö-Cert erkennt unterschiedliche Qualitätszertifikate wie EFQM oder ISO an und überprüft darüber hinaus spezifische Grundvoraussetzungen, etwa die pädagogische Fachausbildung der Mitarbeitenden sowie die Transparenz und Qualität der Bildungsangebote. Mittlerweile habe sich das System etabliert: Neben klassischen Weiterbildungsanbietern seien auch viele Einrichtungen der sogenannten beigeordneten Erwachsenenbildung zertifiziert. Auch Teilnehmende würden zunehmend auf Zertifizierungen achten.
Christof Thierstein, Experte für Organisationsentwicklung, Führung und Qualitätsmanagement, leitete das Projekt zur Einführung des Schweizer Qualitätslabels „eduQua“. Das Verfahren umfasst acht Prinzipien und 19 Kriterien. Es soll „den Einrichtungen ein Modell an die Hand geben, mit dem sie ihre Qualität verbessern und ihre Organisation steuern können, sowie den Konsumentenschutz durch transparente Ausschreibungen stärken“, erklärte Thierstein. Auch dieses Modell berücksichtigt bereits erworbene Qualitätszertifikate der Einrichtungen.
Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden in einem World-Café, ob ein Südtiroler Qualitätszertifikat für die Erwachsenenbildung sinnvoll sein könnte, welche Rahmenbedingungen dafür notwendig wären und welche möglichen Vorteile es bieten könnte. In den Gesprächen zeigte sich grundsätzliches Interesse an einem solchen Modell, Zugleich wurde deutlich, dass dessen Ausgestaltung und Mehrwert sorgfältig geprüft werden müssten. Daran soll nun gemeinsam weitergearbeitet werden.
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